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In dieser Kürze, dieser Dichte nichts Besseres August 2, 2010 globe-alone (Bozen, Südtirol (Italien)) "Zur Aufklärung der Nachgewachsenen" aber auch zur Reflexion derjenigen, die 'dabeigewesen' sind, gibt es in dieser Kürze, dieser Dichte nichts Besseres", kommentierte die SZ, als Haffners ANMERKUNGEN ZU HITLER 1978 erschienen. Und ich denke, dass dieses Urteil nach wie vor Gültigkeit hat - ungeachtet der heute unübersehbaren Fülle an Literatur über Hitler, das Dritte Reich, den Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust. ANMERKUNGEN ZU HITLER besticht durch seine Mischung aus Sachlichkeit, Dichte und sprachlicher Klarheit und ist damit auch Laien zugänglich.
Obwohl dieses essayistische Bändchen nicht einmal 200 Seiten zählt, ist es dem genialen Publizisten Sebastian Haffner (1909-1999) gelungen, wesentliche Aspekte zu Person, Politik und Verbrechen von Adolf Hitler mit größter Klarheit abzuhandeln. In 7 Kapiteln (Leben, Leistungen, Erfolge, Irrtümer, Fehler, Verbrechen, Verrat) nähert sich Haffner präzise seinem Gegenstand. Und vertritt dabei auch Ansichten, die nach heutigen Maßstäben durchaus ketzerisch wären.
So wagt er mit einem unverstellten Blick auf Hitlers "Leistungen" gleich im zweiten Kapitel etwas, das aus nachvollziehbaren Gründen in der heutigen Öffentlichkeit einem Tabubruch gleichkommen würde - eine Anerkennung von Hitlers Wirtschaftspolitik. Haffner verschweigt nicht, dass gerade der nicht zu leugnende wirtschaftliche Aufschwung Hitler entscheidende Sympathien in der Bevölkerung einbrachte.
Damit allerdings wären etwaige Huldigungen auch schon erledigt. Hitlers Politik war schließlich nicht auf Dauer angelegt: "Aber eines war er nie: ein Staatsmann." Wie Haffner schon im ersten Kapitel schreibt, ordnete Hitler seine Politik - und damit das Schicksal Deutschlands - letztlich seiner "Autobiographie" - seinen Lebenszielen - unter.
Von Hitlers "Erfolgen" zeigt sich Haffner weitgehend unbeeindruckt. Bemerkenswert ist dabei, dass er den entscheidenden Grund für die innenpolitische Krise, die zur Auflösung der Weimarer Republik und zur Errichtung der Nazidiktatur führte, nicht in der Weltwirtschaftskrise, sondern in der inneren Ablehnung der Konservativen gegen Weimar verortet. Auch Hitlers außenpolitische "Erfolge", die zunächst im Zeichen der britischen "Appeasement"-Politik und später unerwartet schneller militärischer Siege standen, führt Haffner in erster Linie auf die Schwäche der Siegermächte des 1.Weltkriegs zurück. Haffner bescheinigt Hitler zwar "einen Instinkt dafür, was schon im Fallen, was schon im Sterben war... aber dieser Instinkt, zweifellos für einen Politiker eine nützliche Gabe, gleicht weniger dem Blick des Adlers als der Witterung des Geiers."
Hitlers Rassismus, Antisemitismus und Lebensraum-Ideologie werden nüchtern in einem Kapitel namens "Irrtümer" abgehandelt. Die scharfsinnige Analyse der inneren Widersprüche von Hitlers Antisemitismusideologie zählt zu den besten Abschnitten des Buchs - ein Grund mehr, sich ANMERKUNGEN ZU HITLER zuzulegen.
Ist "Irrtümer" der Nazi-Ideologie gewidmet, legt "Fehler" den Maßstab an Interessenspolitik und Staatsräson. Hier fallen zwei Überlegungen Haffners besonders ins Auge: erstens die Behauptung, durch die Vertreibung und Verfolgung der im Grunde patriotischen deutschen Juden habe sich Hitler im Streben nach Weltherrschaft im Grunde selbst geschadet; zweitens Hitlers Konzeption vom Krieg und Haffners entschiedene Aussage, Kriege würden geführt, um Frieden zu schließen. Während das erste Argument daran krankt, dass Haffner - für heutige Ansichten nahezu ketzerisch - kurz mit dem Gedanken an Deutschlands Vorherrschaft in Europa 1940 quasi liebäugelt ("hätte Deutschland damals einen Bismarck gehabt und nicht Hitler") und außerdem unter "Irrtümer" festgehalten hatte, dass Hitlers Antisemitismus ja nicht rationaler Art war, sondern Ausdruck "paranoiden Irrsinns", ist Haffners zweite Thesenführung überzeugender.
Was einen Ausblick auf das Kapitel "Verbrechen" lohnt. Dort fällt Haffners Argumentation in puncto Völkerrecht ins Auge. Zwar beweist die Weltgeschichte in Haffners Augen, bei aller Tragik, das Bestreben der Völker, Kriege mit Friedensschlüssen dauerhaft zu beenden; doch ist umgekehrt "ein Weg, den Krieg abzuschaffen, noch nicht gefunden." Haffner kritisiert in diesem Zusammenhang den Nürnberger Prozess und seinen Hauptanklagepunkt, der als "Verbrechen gegen den Frieden" deklariert war. In seinen Augen scheiterte der Prozess, weil er damit den maßgeblichen Verbrechen Hitlers - die keine üblichen Kriegsverbrechen waren, sondern unabhängig vom eigentlichen Kriegsgeschehen stattfanden - nicht gerecht wurde.
Als der Krieg längst verloren war, richtete sich Hitlers Zorn gegen das deutsche Volk (Kapitel "Verrat"). Und hier wagt Haffner auch den Versuch, Hitler in die deutsche Geschichte einzuordnen. Hitler, so sein Urteil, falle aus dieser schon deshalb heraus, weil er kein Staatsmann war. Er war "ein Unikum, ohne Vorläufer und Nachfolger", und "etwas Unerwartetes", "Fremdartiges". Was schließlich einen Blick auf Haffners vielsagendes Urteil im ersten Kapitel lohnt. Hitlers Leben war, von Politik abgesehen, "inhaltslos". Seine Ehe-und Kinderlosigkeit, sein Mangel an Bildung unterscheidet ihn Haffner zufolge klar von anderen Potentaten wie Napoleon, Bismarck, Lenin und Mao. Haffners entschiedene Schlussfolgerung: "Das entscheidende Kennzeichen dieses Lebens ist seine Eindimensionalität." Besser, kürzer lässt es sich wohl nicht sagen.
Wertvolles Buch zur jüngeren Geschichte Mai 18, 2010 dethophot Das Buch wurde in mindestens so gutem Zustand geliefert, wie angeboten. Lieferung umgehend. Inhaltlich ist seine Lektüre ein Muss für Geschichtsinteressierte.
Haffner, Anmerkungen zu Hitler Mai 16, 2010 Uli Augustin Dies ist wohl das beste Buch, das je ueber Hitler geschrieben wurde:
prezise, thematisch klar, psychologisch fundiert, unbedingt
empfehlenswert. Verschenke nun die beiden Exemplare...
Das Schlaueste, was es über Hitler zu lesen gibt Februar 13, 2010 Toni 2 aus 2 fanden die folgende Rezension hilfreich
Die "Anmerkungen" lese ich nun schon zum drittenmal, sie sind es einfach wert. Haffner stellt Hypothesen auf, die alles andere als Hirngespinste sind. Überzeugend baut er seine Theorien über Ziele und Denkweisen des "großen Diktators" auf und hat den Mut auch über die durchaus beeindruckenden Leistungen Hitlers zu schreiben. Damit liefert er mehr als jeder andere Autor eine überzeugende Antwort zu der immer wieder aufgeworfenen Frage, warum die Deutschen diesem Mann so bedingungslos gefolgt sind (jedenfalls eine Zeit lang). Lobend sei auch die leicht verständliche "Schreibe" Haffners erwähnt, mit der er sich -nicht nur in diesem Werk- von den Arbeiten der meisten Profi-Historiker abhebt.
kompakt und brilliant Februar 5, 2010 Praise Mary (Erfurt) 2 aus 2 fanden die folgende Rezension hilfreich
Über Sebastian Haffner wurde schon viel Kluges geschrieben.
Nur soviel: Das Buch ist kompakt, publizistisch-provokant und brilliant.
Man darf keinen sachlich-sauberen Historiker erwarten, sondern darf sich an seinen neuen, zugespitzen Sichtweisen erfreuen.
Wen die erste Seite begeistert, der wird das gesamte Büchlein mit Freude und Gewinn lesen.
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